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Zürcher Hochschulgebiet

Zürcher Hochschulgebiet – Für eine qualitätsvolle städtebauliche Lösung

Visualisierung der geplanten Volumina hinter der Zürcher Stadtkrone. (Quelle: Zürcher Heimatschutz ZVH)

In letzter Zeit wurde vor allem von Seiten ihrer Befürworter die Planung im Hochschulquartier thematisiert. Dabei wurde explizit oder auch verhüllt dem Zürcher Heimatschutz vorgeworfen, einer städtebaulich befriedigenden Lösung im Wege zu stehen, weil er sich für die Erhaltung des Häfeli/Moser/Steiger-Baus (HMS Bau) und des Kernbaus der Alten Anatomie aus den Jahren  1835-42 einsetzt.

 

Pharaonische Dimensionen

Da es sich bei diesen Bauten um hochwertige Baudenkmäler handelt, plante man aus Furcht vor rechtlichen Schwierigkeiten den HMS-Bau der Form nach zu erhalten und östlich längs der Gloriastrasse ein autonom voll funktionsfähiges Spitalgebäude zu errichten. Zudem hielt man die Erhöhung der Bauvolumen für unvermeidlich. Dies führt zu pharaonischen Ausmassen und einer gigantischen Verschandelung des Stadtbildes (s. Visualisierung, am Ende). Das grösste und das Stadtbild am meisten beeinträchtigende zusammenhängende Bauvolumen (Etappe I) wird mit einer Traufhöhe von 521 m/über Meer sogar die Turmspitze der Kirche Fluntern überragen. Die viel geschmähte Europa-Allee wäre ein David gegenüber diesem Goliath.

 

Masslose Raumwünsche und unbedachte Kostenfolgen

Der Grund liegt in masslosen Raumwünschen der beteiligten Institutionen, die völlig unhinterfragt der Planung zugrunde gelegt wurden. So soll das Universitätsspital um 60 % wachsen, die ETH um 50% und die Universität gar um rund 200%. Niemand hat bisher hinterfragt, wie dieser Mehrflächenbedarf berechnet wurde, zumal vor allem an der Universität viele Büros derzeit nur an einzelnen Wochentagen genutzt werden. Es wurde weder diskutiert, ob die angepeilte Ausweitung des Hochschulsektors auf Kosten der Berufsbildung überhaupt erwünscht ist, noch wurden – analog dem Modell anderer Länder – universitäre Neugründungen in anderen Städten des Mittellands in Erwägung gezogen. Tatsächlich aber geht quantitatives Wachstum von Hochschulen tendenziell mit Qualitätsverlust einher, weshalb man eigentlich die Universität vor sich selber schützen müsste. Auch nicht hinterfragt wurde, welche Medizin wir wollen. Begründet wurde und wird der Ausbau mit der Notwendigkeit, die von USZ, Universität und ETH betriebene medizinische Forschung in räumlicher Nachbarschaft betreiben zu können. Ein Anachronismus angesichts der Tatsache, dass der Fortschritt im virtuellen Bereich neue Kommunikationsmöglichkeiten wie z.B. Webinare möglich macht und grosse Firmen wie die Credit Suisse und die Swisscom daran sind, individuelle Arbeitsplätze aufzuheben und keine Büros mehr anzubieten, sondern ihr Personal zuhause arbeiten lassen. Derartige Entwicklungen wurden überhaupt nicht berücksichtigt.

Kein Wort war bisher darüber zu hören, wie der Betrieb dieser Mehrflächen – insbesondere der Universität – finanziert werden soll. Um die neuen Räume mit Leben zu füllen, braucht es Personal, Material und Aufwendungen für den Unterhalt – also Betriebskosten. Steuererhöhungen sind daher absehbar. Der massive Ausbau des Spitals und des Angebots an hochtechnologisierter Spitzenmedizin dürfte auch den Druck auf die Krankenkassenprämien erhöhen.

 

Baudenkmäler sind kein Hindernis

Zwischen der Erhaltung des HMS- (Häfeli-Moser-Steiger-)Baus und der Wuchtigkeit der Erweiterungsbauten besteht keinerlei Zusammenhang. Zu Unrecht wird daher der HMS-Bau als Haupthindernis einer vernünftigen Spitalplanung hingestellt. Von den Verantwortlichen wird immer wieder betont, dass der HMS Bau in Zukunft nicht mehr für die Betreuung von Patienten und Patientinnen dienen könne. Trotzdem wurde dessen Osttrakt in den letzten Jahren aufwändig renoviert, und unter grosser Anteilnahme der Medien wurde vor zwei Jahren das in diesen Räumen untergebrachte Herzzentrum eingeweiht. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb keine Bettenstationen mehr in diesem Spitalbau geführt werden können, denn nur ein kleiner Teil der Patientinnen und Patienten benötigen eine hochtechnisierte Infrastruktur, die höhere Räume voraussetzt. Dass der HMS-Bau erst vor kurzem für viel Geld renoviert wurde, wird der Öffentlichkeit ebenso verschwiegen wie die Tatsache, dass der Kanton weitere 800 bis 1‘000 Millionen Franken in den kommenden Jahren für die Sanierung bestehender Spitalbauten und deren Infrastruktur einsetzen will, die später gemäss der laufenden Planung abgerissen werden sollen.  

 

Städtebauliches Desaster

Wir teilen die vom BSA geäusserte Fachkritik und das Unbehagen, das sich längst über Fachkreise hinaus bemerkbar macht. Der aktuellen Planung liegt keine städtebauliche Vision zugrunde, da sie die angemeldeten Raumbedürfnisse unhinterfragt übernimmt und völlig ausklammert, was städtebaulich für Zürich an dieser Stelle wertvoll oder noch erträglich sein könnte. Alternativen wurden nie ernsthaft erwogen.

Darf ein Bauprogramm nicht hinterfragt werden, dann ist unüberlegte, schlechte  Architektur die zwingende Konsequenz. Viele Laien glauben, dass sich die Ausnützung steigern lässt, indem man dichter und höher baut. Dabei zeigen Studien, dass die Kosten und Schwierigkeiten umso grösser und der Nutzen umso kleiner werden, je mehr man ein Bauprogramm aufbläht. Wird eine gewisse Dichte überschritten, ist keine Verbesserung mehr möglich. Je komplizierter und  veränderlicher das Programm, desto tiefer die Grenze der tragbaren Dichte. Wird diese überschritten, leidet die medizinische Versorgung zuerst. 

 

Zuerst denken und dann bauen!

Die Planung sollte deshalb an den Kanton zurückgewiesen werden, damit die Grundlagen und insbesondere der Flächenbedarf überprüft werden können. Ferner sollte eine Dezentralisierung der Betriebe und eine Zusammenarbeit mit den bestehenden Spitälern, vorab dem unlängst stark erweiterten Stadtspital Triemli, ins Auge gefasst werden. Es ist kaum nachvollziehbar, weshalb sich das Zürcher Universitätsspital Alleingänge leisten will, wo überall sonst Zusammenlegungen und Fusionen erfolgen, und dies nicht nur im medizinischen Bereich. Der Mehrflächenbedarf sollte – wie bereits im Masterplan 2005 vorgesehen –  primär durch eine bessere Nutzung der bestehenden Flächen gedeckt werden. Werden diese Massnahmen umgesetzt, wird sich der Druck auf das Stadtbild und die wenigen schützenswerten Bauten herabsetzen lassen.

Dies alles im Interesse einer lebenswerten Stadt, wo Altes und Neues Platz hat!

Kontakt

Zürcher Heimatschutz ZVH
Eichstrasse 29
8045 Zürich
T 044 340 03 03
F 044 340 03 35
E-Mail info(at)heimatschutz-zh.ch