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Illnau-Effretikon Usterstrasse 23

Auch in zweiter Instanz erhält der Zürcher Heimatschutz Recht

Das Verwaltungsgericht (VG) kommt in seinem Urteil vom 12. Mai 2016 zum Schluss, dass sich die durch den Stadtrat von Illnau-Effretikon angeordnete Inventarentlassung als rechtswidrig erweist.

Gemäss VG handelt es sich bei der Usterstrasse 23 um einen wichtigen baukulturellen Zeugen, dessen Schutzwürdigkeit unbestritten ist. Der Stadtrat ist dazu angehalten, bei einer Konkretisierung von Umgestaltungsplänen für den Dorfplatz zwingend die Konzeptstudien der ZHAW zu berücksichtigen. Diese sehen in zwei von drei Varianten vor, das Gebäude an der Usterstrasse 23 stehen zu lassen. Seit Ende Juni steht fest, dass der Stadtrat das Urteil nicht anfechten wird.
Der "alte Konsum" bleibt dank Initiative des Zürcher Heimatschutzes als baukultureller Zeuge weiterhin erhalten.
 
Lesen Sie hier die ganze Vorgeschichte:

Die Usterstrasse 23 ist ein hochwertiges Denkmalschutzobjekt

Bei der Liegenschaft Usterstrasse 23 handelt es sich laut Baurekursgerichts-Entscheid vom 21.10.2015 um ein qualitativ hochwertiges Denkmalschutzobjekt, das aufgrund seines Eigenwertes in hohem Mass erhaltenswert ist. Der Abriss des Gebäudes sei für eine Neugestaltung des Dorfplatzes keineswegs notwendig.
Das Gericht kommt zum Schluss, dass die Interessensabwägung klar zugunsten des schutzwürdigen Gebäudes ausfällt und die Inventarentalssung nicht sachgerecht und rechtswidrig war.

Das Baurekursgericht weist, wie schon diverse Gutachten, auf die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung des Gebäudes hin und spricht ihm eine grosse Bedeutung für das Ortsbild von Illnau-Effretikon zu.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte zum "alten Konsum" in Illnau-Effretikon.

Kein Abriss des Hauses Usterstrasse 23 für weitere Parkplätze

Das ehemalige Konsum-Gebäude der landwirtschaflichen Genossenschaft an der Usterstrasse 23 in Illnau-Effretikon, rechts Usterstrasse 25.

Am 19. Juni 2014 entschied der Gemeinderat von Illnau-Effretikon, das Haus Usterstrasse 23 abzureissen, damit dort ein Dorfplatz mit weiteren Parkplätzen entstehen kann. Der Stadtrat entliess daraufhin das VOLG Gebäude aus dem Inventar schutzwürdiger Bauten von kommunaler Bedeutung.

Der Vorstand des Zürcher Heimatschutzes entschied nach einer sorgfältigen Prüfung der Unterlagen, gegen den Entscheid des Stadtrates einen Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich einzureichen, damit das Haus Usterstrasse 23 in Illnau inventarisiert bleibt und somit auch nicht abgerissen wird. Dieser wichtige Zeitzeuge aus dem Jahre 1928 muss erhalten bleiben.

Geschichte und Würdigung

Das Haus an der Usterstrasse 23 wurde 1928 von der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Illnau an zentraler Lage als Wohn- und Geschäftshaus erbaut, bereits sein 1909 erbauter Vorgänger fungierte als Magazingebäude der Landwirtschafltichen Genossenschaft. Das heutige Haus an der Usterstrasse 23 diente lange Zeit den Landwirten als Lager und zum gemeinsamen Bezug von Geräten sowie von Samen, Düngungsmitteln und Kraftfutter. 1949 wurde ein Lager- und Bürogebäude angebaut. (Usterstrasse 25)

Die Inventarentlassung erfolgte nur sechs Jahre nachdem der gleiche Stadtrat gestützt auf ein von ihm bestelltes Gutachten das Haus Usterstrasse 23 im Jahre 2009 in das Inventar schutzwürdiger Bauten aufgenommen hatte. Dieses Gutachten spricht sich klar für die Schutzwürdigkeit des Gebäudes aus. So heisst es, dass es sich bei bei der Usterstrasse 23 um ein ortsbaulich sehr bedeutendes Wohn- und Geschäftshaus handelt. Der "alte Konsum" ist ein wichtiger sozialgeschichtlicher Zeuge, der für die damals aufstrebende Genossenschaftsentwicklung steht. Nicht zuletzt ist das Haus auch  baukünstlerisch von grosser Bedeutung, da es einer der wenigen Zeugen des Expressionismus resp. des Art déco der 1920er Jahre in der schweizer Architektur ist.  

Auch die Stadtarchitektin Ivana Vallarsa erwähnte im Zürcher Oberländer vom 01.07.2014 die ortsbauliche Bedeutung des "alten Konsums": «Das Gebäude ist sehr markant und beeinflusst das Ortsbild stark».

Usterstrasse 23, Illnau-Effretikon

Die Usterstrasse 23 in der lokalen Politik

Im Juni 2014 reichten die Jungliberalen zusammen mit der SVP eine dringliche Motion im Gemeinderat ein. Die Motion mit dem Thema „Attraktives Dorfzentrum Illnau“ beauftragte den Stadtrat, für das Gebiet Zentrum Unterillnau einen öffentlichen Gestaltungsplan zu erstellen, das Haus an der Usterstrasse 23 abzubrechen und an der Usterstrasse 25 einen Neubau zu erstellen.

Die Diskussion um den Dorfplatz läuft bereits einige Jahre. Schon 2009 reichte der heutige Stadtrat Philipp Wespi (Jungliberale) ein Postulat betreffend Vergrösserung Dorfplatz Illnau-Effretikon ein. Mit Beschluss des Grossen Gemeinderats vom 30. Januar 2014 wurde der Stadtrat ersucht, die aktuelle Nutzung der Liegenschaften Usterstrasse 23 und 25 unter Einhalten der sicherheitstechnischen Vorgaben beizubehalten.

Obwohl die dringliche Motion von Juni 2014 mit 20 zu 12 Stimmen überwiesen wurde, gab es zahlreiche Stimmen, die sich für einen Erhalt der Usterstrasse 23 und 25 einsetzten. So zum Beispiel Andreas Halser (GLP). Laut Hasler würde ein Abbruch der Liegenschaften das Dorfbild zerstören. Zudem fragte er sich, ob die Bevölkerung überhaupt einen grösseren Dorfplatz wünsche, er habe bis jetzt noch keinen Druck aus der Bevölkerung festgestellt. Auch die Juso stellte sich klar gegen einen Abriss und sprach sich für den Erhalt der kulturhistorisch bedeutsamen Liegenschaften aus. Für den Erhalt der Usterstrasse 23 bildete sich sogar eine Bürgerinitiative rund um die ehemalige SP-Gemeinderätin Judith Bertschi. Die IG betont, dass sie sich nicht gegen einen Dorfplatz wehre. Ein solcher lasse sich jedoch auch ohne den Abbruch des ehemaligen Volg-Gebäudes verwirklichen. Die Bürgerinitiative reichte selber keinen Rekurs ein, unterstützte aber denjenigen des Zürcher Heimatschutzes.

Ende August 2014 wurde die Usterstrasse 23 zum Erstaunen zahlreicher Politiker und Einwohner “saniert“. Dabei wurden unmittelbare Gefährdungen, wie zum Beispiel der abbröckelnde Verputz, beseitigt.  Die Fassade wurde neu gestrichen. Gemäss einem Stadtrat geschah dies aus rein sicherheitstechnischen Überlegungen. Da die Bevölkerung nicht darüber informiert wurde, lieferte die unangekündigten Fassadenarbeiten erneut Gesprächsstoff. 

Im September 2014 wurde eine Interpellation von Andreas Hasler im Grossen Gemeinderat behandelt, in der es darum ging, zuerst die Inventarentlassung der Usterstrasse 23 zu beantragen, bevor Steuergelder für einen neuen Gestaltungsplan verschwendet werden. Bezugnehmend auf die Interpellation von Andreas Hasler ist es wesentlich zu erwähnen, dass hinsichtlich der Usterstrasse 23 bereits ein rechtsgültiger Gestaltungsplan besteht. Nach diesem Gestaltungsplan ist der Erhalt des Gebäudes gegeben, da die Begrenzung des Dorfplatzes u. a. mit dem Fassadenbereich der Usterstrasse 23 definiert ist. Ende Oktober wurde die Inventarentlassung schliesslich im Amtsblatt ausgeschrieben.

ZHAW-Studie spricht sich ebenfalls für den Erhalt der Usterstrasse 23 aus

Im Oktober 2012 stellten ZHAW Studenten acht Varianten für einen Dorfplatz  vor. Die Stadt Illnau-Effretikon lud damals zur Vernissage ein. Die Bevölkerung hatte die Gelegenheit, die von den Studenten erarbeiteten Konzepte für einen neuen Dorfplatz mehrere Tage zu begutachten. Gemäss Stadtpräsident Ueli Müller wollte die Stadt vor Planungsbeginn wissen, wie die Stossrichtung für das weitere Vorgehen aussieht.

Durch die Arbeit der ZHAW-Studenten entstanden drei Konzepte:

Konzept 1: Die Gebäude an der Usterstrasse 23 und 25 bleiben bestehen.
Konzept 2: Usterstrasse 23 bleibt bestehen, Usterstrasse 25 wird abgebrochen
Konzept 3: Beide Gebäude werden abgebrochen

Die Studenten sprachen sich mehrheitlich für die Variante 2 aus. Somit würde die Liegenschaft an der Usterstrasse 23 erhalten bleiben. Durch den Abbruch der Usterstrasse 25 würden gemäss der Studie drei Plätze entstehen und trotz Abbruch der Usterstrasse 25 könnte die Identität des Dorfplatzes erhalten werden.

Autorin: Stefanie Magel, Geschäftsstelle ZVH

Kontakt

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