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Das Manor-Haus an der Zürcher Bahnhofstrasse

Denkmalschutz wird unbezahlbar

Warenhaus Manor an der Zürcher Bahnhofstrasse 75-79, erbaut 1912

Das Verwaltungsgericht spricht sich mit Urteil vom 17.8.2016 gegen die Unterschutzstellung des Manor Warenhauses aus. Diesen Entscheid bedauert der Zürcher Heimatschutz zu tiefst, wird ihn aber nicht an das Bundesgericht weiterziehen.

Der Zürcher Heimatschutz setzte sich im Fall Manor für den Schutz der Nutzung als öffentliches Warenhaus ein. Immerhin fanden die Argumente des ZVH vor dem Verwaltungsgericht mehr Gehör als vor dem Baurekursgericht. Dennoch entschied sich die zweite gerichtliche Instanz gegen eine Unterschutzstellung der Nutzung als Warenhaus. Dieses Urteil des Verwaltungsgerichtes reiht sich in eine Reihe ähnlicher Entscheidungen von Zürcher Gerichten ein: Eine Zürcher Villa mit prächtigem Garten, eine ehemalige Fabrikantenvilla am linken Zürichseeufer, ein schmuckes Dreifamilienhaus aus Sichtbackstein in Winterthur und das traditionsreiche Warenhaus Manor an der Zürcher Bahnhofstrasse werden alle aus Angst vor exzessiven Entschädigungsforderungen der Eigentümer verunmöglicht. Dabei schliessen sich innere Verdichtung und Rücksicht auf historische Bausubstanz durchaus nicht aus. Wie diese Beispiele zeigen, sind baukulturelle Zeugen bei dieser Güterabwägung zunehmend gefährdet.

Es ist an der Politik, dieser traurigen Entwicklung entgegenzuwirken. Beim gegenwärtigen Trend wird es kaum mehr möglich sein, gegen den Abbruch derartiger Bauten gerichtlich vorzugehen. Man wird also damit rechnen müssen, dass mehr und mehr phantasielose Überbauungen – deren Hauptqualität die maximale Ausnützung bleibt – die Zeugen herrschaftlicher Baukultur verdrängen.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Der Zürcher Heimatschutz gelangt ans Verwaltungsgericht

Der Zürcher Heimatschutz wehrt sich für das Manor-Haus an der Zürcher Bahnhofstrasse. Im Zusammenhang mit den umstrittenen Umbau- und Umnutzungsplänen der Liegenschaftsbesitzerin stellen sich wichtige Grundsatzfragen. Nachdem das Baurekursgericht die Haltung des Stadtrats bestätigte, dass bei der Unterschutzstellung die über 100-jährige Nutzung als Warenhaus nicht zu berücksichtigen sei, gelangt der Zürcher Heimatschutz deshalb jetzt an das Verwaltungsgericht.

Die Eigentümerin der Liegenschaft, in der sich heute das Warenhaus Manor befindet, plant einen umfassenden Umbau und eine Umnutzung des markanten Gebäudes im unteren Teil der Zürcher Bahnhoftrasse. Künftig sollen die Verkaufsflächen vom 1. Untergeschoss bis in das 1. Obergeschoss für einzelne Boutique-Ladengeschäfte, die darüber liegenden Geschosse für private Büroräume genutzt werden. Der Zürcher Stadtrat und die Bausektion genehmigten den Umbau im Juli 2014.

Dagegen wehrte sich der Zürcher Heimatschutz beim Baurekursgericht. Er warf den Stadtbehörden vor, beim Schutzumfang die seit über hundert Jahren bestehende Nutzung als Warenhaus (siehe Box) ungenügend berücksichtigt zu haben.

Wie der Stadtrat befand auch das Baurekursgericht in seinem Entscheid, dass Nutzungen keinen Eingang in die Unterschutzstellung finden können, da eine gesetzliche Grundlage für derartige Massnahmen fehle.

Grundsätzliche Frage klären

Deshalb ergreift der Zürcher Heimatschutz jetzt Beschwerde beim Verwaltungsgericht, um diese grundsätzliche Frage zu klären und den Schutz des Manor-Hauses in seiner heutigen Funktion als Warenhaus für alle zu erwirken.

In seiner Beschwerdeschrift belegt der Zürcher Heimatschutz, dass bei Unterschutzstellungen durchaus Nutzungsvorgaben gemacht werden können. Nach dem Zürcher Planungs- und Baugesetz (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG) ist es geradezu Sinn und Zweck, nicht einfach Gebautes zu erhalten, sondern solche Bauten zu schützen, welche «als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukünstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind». Die Verbindung von menschlichem Handeln und Bausubstanz schaffen zusammen eine Zeugenschaft, die es zu erhalten gilt. Dies entspricht auch der langjährigen Praxis der schweizerischen und zürcherischen Denkmalpflege.

Entgegen der Meinung des Baurekursgerichts geht es beim Manor auch nicht um einen «praxisfernen» Heimatschutz, sondern um die Zeugenschaft eines Warenhauses, das bei der Bevölkerung seit Generationen und auch heute tief verankert ist und dem in baukünstlerischer Hinsicht ein hoher Rang zukommt. Seit der Erstellung des Warenhauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird es konstant als Warenhaus genutzt. Es muss folglich auch in Zukunft die prägende Nutzung als Warenhaus ablesbar bleiben.

Gegen inhaltslose Fassadenmaskerade

Mit dem geplanten Umbau würden indes die für das Warenhaus typischen durchgehenden Geschossflächen mit ihrer pionierhaften Säulenarchitektur durch kleinteilige Büroeinbauten ersetzt. Wesentliche Eigenschaften des Schutzobjekts würden dadurch zerstört; das Äussere fände keine Entsprechung mehr im Inneren und in der Nutzung. Damit aber würde das Schutzobjekt zu einer inhaltslosen Fassadenmaskerade verkommen. Dagegen setzt sich der Zürcher Heimatschutz zur Wehr.

Seit 1900 «Kathedrale des Konsums»

Die Manor-Liegenschaft im unteren Teil der Zürcher Bahnhofstrasse steht der Öffentlich-keit seit über hundert Jahren als Warenhaus offen. Bereits im Jahr 1900 öffnete dort das damalige Warenhaus Brann seine Türen und war damit eines der ersten Warenhäuser in Zürich. Das Warenhaus gehört gemäss Inventareintrag „zu den architektur-historisch bedeutendsten Werken der zu Beginn des 20. Jahrhunderts jungen Baugattung der Wa-renhäuser“. Das Gebäude stellt – so der Inventareintrag – „der Warenwelt eine sakrale Gebäudehülle“ bereit. Dessen gotisch inspirierte, konsequent in Glas aufgelöste Verti-kalgliederung findet im Inneren in durchgehenden, durch eine Pfeilerarchitektur getra-genen Geschossflächen ihre Entsprechung. Die Architektur inszeniere hier die Typologie des Warenhauses als eine «Kathedrale des Konsums» und zeuge vom Aufstieg der Stadt Zürich zur wichtigsten Wirtschaftsmetropole der Schweiz. Als das Warenhaus nach einem grösseren Umbau 1929 wieder eröffnet wurde, zeigte sich die NZZ begeistert: «Die Ver-kaufsräume sind mit allem Raffinement ausgestattet, laden förmlich zum Kaufen ein. (...) Dem Publikum besonders angenehm dürfte die Neuerung sein, dass es keine Sammelkas-sen mehr gibt. Jeder Abteilung hat ihre eigene Kasse, an der man sofort bezahlen und die Ware in Empfang nehmen kann.»

Rekurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich

Manor - Lintheschergasse/Uraniastrasse

Im Zusammenhang mit den Umbau- und Umnutzungsplänen der Liegenschaftsbesitzerin des Manor-Hauses an der Zürcher Bahnhofstrasse gelangte der Zürcher Heimatschutz an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und verlangte die Aufhebung von zwei Entscheiden der Stadt Zürich. Der Zürcher Heimatschutz wirft dem Zürcher Stadtrat vor, seine Pflicht zur vertieften Abklärung des Schutzumfanges zu wenig wahrgenommen zu haben. Geprüft werden muss insbesondere auch die geplante Umnutzung des Gebäudes, das der Öffentlichkeit seit über hundert Jahren als Warenhaus dient.

Wie bekannt ist, plant die Besitzerin der Liegenschaft, in der sich heute das Warenhaus Manor befindet, einen umfassenden Umbau und eine Umnutzung des markanten Gebäudes im unteren Teil der Zürcher Bahnhoftrasse. Künftig sollen die Verkaufsflächen vom 1. Untergeschoss bis in das 1. Obergeschoss für einzelne Boutique-Ladengeschäfte, die darüber liegenden Geschosse für private Büroräume genutzt werden. Der Zürcher Stadtrat genehmigte anfangs Juli einen entsprechenden verwaltungsrechtlichen Vertrag, und die Bausektion des Zürcher Stadtrats bewilligte mit Bauentscheid vom 8. Juli 2014 den Umbau des Manor-Hauses. Dagegen wehrt sich der Zürcher Heimatschutz. Er wirft den Stadtbehörden vor, den Schutzumfang für das seit über hundert Jahren als Warenhaus genutzte Gebäude (siehe unten) nur ungenügend abgeklärt zu haben. In seinem Rekurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich verlangt der Zürcher Heimatschutz die Aufhebung der fraglichen Entscheide. Gleichzeitig ist der Stadtrat anzuweisen, die Schutzwürdigkeit vertieft zu prüfen.

Einerseits muss gemäss gängiger Rechtsprechung bei dieser Prüfung auch dem Zusammenspiel von Fassaden und Innenraum Rechnung getragen werden, um zu verhindern, dass – so das Bundesgericht in einem jüngeren Entscheid – «denkmalpflegerische Fassadenmaskeraden vor ausgehöhlten Bauten» geschaffen werden. Andererseits sind auch Abklärungen im Zusammenhang mit der geplanten Umnutzung zu tätigen. Denn zwischen Bausubstanz und Nutzung besteht oft eine äusserst enge Verbindung. Diese kann so weit gehen, dass eine Erhaltung der Bausubstanz nur dann plausibel ist, wenn die baulichen Strukturen im Zusammenhang mit den sozialen Strukturen erkannt werden und darum neben den vorhandenen Formen auch die Nutzungen erhalten bleiben.
Das Manor-Haus zählt laut vorliegenden Fachgutachten zu den wertvollen «Zeugen des klassischen Warenhaustypus, dessen Ursprung in das ausgehende 19. Jahrhundert zurückreicht» und ist «in besonderer Weise mit der Stadt und ihrer Bevölkerung verbunden». Das Warenhaus verkörpert an exponierter
Stelle in Zürich «seit über hundert Jahren eine Nutzungskontinuität, wobei Fassade, Gebäude, Adresse und Nutzung als Warenhaus eine sinngebende Einheit» bilden.

Das Baurekursgericht (BRG) hat den Rekurs des Zürcher Heimatschutzes in seinem Urteil vom 8. Mai 2015 abgewiesen.

Kontakt

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