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Einigung in der Auseinandersetzung um Modul- und Stelzenbau

Der Heimatschutz wird in USZ-Planung einbezogen

Polyklinikum Raemistrasse

Erfolgreiche Verhandlungen des Zürcher Heimatschutzes (ZVH) mit dem UniversitätsSpital Zürich (USZ): Das USZ verpflichtet sich verbindlich zum Rückbau der Provisorien «Stelzenbau» und «Modulbau». Gleichzeitig sichert das USZ dem ZVH den Einbezug des Zürcher Heimatschutzes bei der weiteren Planung und Realisierung der Gesamterneuerung des USZ vertraglich zu. Ziel ist es, gemeinsame Lösungen für die zahlreichen geschützten Bauten und Anlagen auf dem USZ-Areal zu finden. Im Gegenzug zieht der ZVH seine Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen die Baubewilligung des Modulbaus zurück.

Der Zürcher Heimatschutz ZVH hat grundsätzlich grosses Verständnis für die Bedürfnisse zur Weiterentwicklung des USZ. Gleichzeitig steht der ZVH in der Pflicht, die durch mehrere vorliegende Fachgutachten gestützten und begründeten denkmalpflegerischen Anliegen an diesem überaus sensiblen Ort mitten in der Stadt Zürich in den Planungs- und Bewilligungsprozess einzubringen. Deshalb forderte der ZVH seit langem eine gemeinsame «Gesamtschau» des anspruchsvollen Generationenprojekts der geplanten Gesamterneuerung des USZ mit einem Realisierungshorizont von mehreren Jahrzehnten.

Seit letztem Sommer führte der ZVH mit den Verantwortlichen des USZ Gespräche. Diese konnten jetzt mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Vereinbarung erfolgreich abgeschlossen werden. Die Vereinbarung beinhaltet im Wesentlichen diese vier Punkte:

  •   Das USZ verpflichtet sich, den sogenannten Modulbau, der als Provisorium mitten im schützenswerten Spitalpark (siehe Box unten) errichtet werden soll, spätestens 20 Jahre nach Betriebsbereitschaft nicht mehr zu nutzen und abzubrechen.
  •  Das USZ verpflichtet sich, den 2003 ebenfalls als Provisorium errichteten sogenannten «Stelzenbau/Trakt SUED», der gemäss damaligem Bauentscheid bereits im Frühjahr 2014 hätte abgebrochen werden müssen, nach Betriebsbereitschaft des Modulbaus, spätestens aber 2023, nicht mehr zu nutzen und abzubrechen. Dies gilt unter der Voraussetzung, dass die städtischen Behörden dem USZ eine entsprechende Verlängerungsbewilligung für den Trakt SUED erteilen.
  • USZ und ZVH vereinbaren verbindlich, im Rahmen der strategischen Entwicklungsplanung für das USZ im gemeinsamen Dialog Lösungen für die inventarisierten Objekte zu finden.
  • Im Gegenzug erklärt sich der ZVH bereit, seine im Herbst 2014 eingereichte Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen die Baubewilligung des Modulbaus zurückzuziehen.

«Wir haben eine Vereinbarung der Vernunft geschlossen», sagen Barbara Truog, Präsidentin SZH und ZVH-Vizepräsidentin sowie Beat Schwengeler, Co-Präsident Winterthurer Heimatschutz und Leitung Bauausschuss ZVH: «Damit ist der Weg geebnet für eine zielgerichtete Weiterentwicklung des USZ, und die berechtigten und wichtigen Anliegen des Heimatschutzes können in die Gesamterneuerung des Spitals einfliessen.»

Vorgeschichte

Park und Osttrakt (Bild: Thomas M. Müller)

Das Universitätsspital Zürich leidet unter Raumnot. Deshalb klärte der Regierungsrat des Kantons Zürich, ob auf der „grünen Wiese“ ein neues Universitätsspital zu errichten sei. Im Herbst 2011 entschied der Regierungsrat, dass das Universitätsspital am bisherigen Standort zu erneuern sei. Gleichzeitig wurde eine umfangreiche Strategische Entwicklungsplanung SEP eingeleitet. Diese ergab, dass für die ca. 20 Jahre dauernde Erneuerung des Universitätsspitals Rochadeflächen zur Verfügung stehen müssen. Diese Rochadefläche soll durch einen Modulbau geschaffen werden, der im geschützten Spitalpark des Landschaftsarchitekten Gustav Ammann ein Modulbau zu errichten sei. Zudem käme der Modulbau direkt vor dem ebenfalls geschützten Ost- und Westtrakt des Universitätsspitals zu stehen, der in 40er Jahren des letzten Jahrhunderts durch die Architekten Häfeli, Steiger, Moser erstellt worden war.

Standort Modulbau zum Westtrakt (Bild: Thomas M. Müller)

Im Frühjahr 2012 reichte der Kanton Zürich das Baugesuch für den Modulbau ein. Ende Oktober 2013 verweigerten die stadtzürcher Baubehörden die Baubewilligung für die Errichtung des Modulbaus mit der Begründung, dass dadurch ein Eingriff in den geschützten Spitalpark erfolgen würde, der durch die Interessen des Universitätsspitals nicht zu rechtfertigen sei. Hingegen wurde die Errichtung einer unterirdischen Technikzentrale bewilligt.

Seit 2003 ist am Osttrack des Universitätsspitals der sogenannte Stelzenbau als Provisorium in Betrieb. Die Bau- und Betriebsbewilligung wurde bis Juni 2013 ausgestellt. Parallel zum vorerwähnten Baubewilligungsverfahren ersuchte der Kanton Zürich darum, die Betriebsdauer für das bereits bestehende Provisorium im Spitalpark um zwei Jahre zu verlängern.

Während der Kanton und das Universitätsspital stets mit dem akuten Raummangel für den Modulbau im Spitalpark argumentierten, stützte sich die Stadt Zürich mehrheitlich auf die Argumentation mehrerer denkmalpflegerischer Fachgutachten, die für einen alternativen Standort plädieren. Sowohl das Gutachten der Kantonalen Denkmalpflege-Kommission KDK als auch das Gutachten der Natur- und Heimatschutzkommission NHK lehnen den Standort des Modulbaus im Spitalpark ab. Eine Baute für 20 Jahre im geschützten Park könne laut den Gutachten nicht mehr als Provisorium bezeichnet werden. Der Spitalpark gelte laut dem NHK Gutachten als „baukünstlerisches Werk erster Güte“  und sei zusammen mit dem Universitätsspital ein exemplarisches Beispiel für den modernen Spitalbau. Die NHK betont, dass der Park als ein unverzichtbarer Teil des Universitätsspitals zu bewahren und zu schützen sei. Die NHK macht zudem darauf aufmerksam, dass der Park auch eine wichtige Rolle für die Genesung der Patienten spiele. Er leiste einen hohen Beitrag an die für den Heilungsprozess sehr wichtige Wohnatmosphäre des Spitals.

In den Gutachten wird als Alternative der Standort Gloriastrasse vorgeschlagen. Dieser Standort wurde bereits zuvor in einem internen Gutachten des Unispitals diskutiert. Der Kanton möchte jedoch von diesem alternativen Standort nichts wissen. Der Modulbau an der Gloriastrasse zu erstellen würde gemäss Herrn Markus Kägi, Baudirektor des Kantons Zürich, funktionale und technische Schwierigkeiten nach sich ziehen.

Fassade Osttrakt (Bild: Thomas M. Müller)

Der Zürcher Heimatschutz hat grosses Verständnis für die Bedürfnisse zur Weiterentwicklung des Universitätsspitals. Dennoch sprechen sämtliche hier erwähnte Fachgutachten, die vom Kanton als Bauherrin selber eingeholt worden waren, eine deutliche Sprache: Das Bauvorhaben für den Modulbau hätte nur unter grober Missachtung dieser Gutachten bewilligt werden können. Mit dem Entscheid der Stadt Zürich wurde diesbezüglich ein wesentlicher Beitrag zur Rechtssicherheit in der Stadt Zürich geleistet, weil damit für so genannt „Grosse“ die gleichen Denkmalschutz-Bestimmung gelten wie auch für alle Bürgerinnen und Bürger.

Das Universitätsspital legte gegen den Beschluss der Stadt Zürich im November 2013 Rekurs ein. Bei diesem Rekursverfahren beteiligt sich der Zürcher Heimatschutz als Beteiligte an der Seite der Bausektion Zürich. Der Zürcher Heimatschutz rekurrierte seinerseits gegen die Erteilung der Verlängerung der Betriebsbewilligung für den Stelzenbau. Beide Verfahren sind im Frühjahr 2014 noch vor dem Baurekursgericht des Kantons Zürich hängig.

Autoren: Thomas M. Müller, Stefanie Magel, Geschäftsstelle ZVH

Standort Modulbau (Bild: Thomas M. Müller)

Kontakt

Zürcher Heimatschutz ZVH
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