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Jahrelanger Rechtsstreit um die Villa Blumenthal

Die Villa Blumenthal (Bild: Zürichseezeitung)

Die Villa Blumenthal an der Seestrasse 162 in Kilchberg steht unter Schutz. Dies war nicht immer so. Die Villa Blumenthal wurde 1837 vom damaligen Gemeindepräsidenten Heinrich Scheller im Kilchberger Ortsteil Bendlikon erbaut. Neben dem Industriellen Gustave Naville war auch der ehemalige Nationalrat und Direktor der Nordostbahn Heinrich Studer Eigentümer des Hauses an der Seestrasse.  

1950 wurde eine Autowerkstatt mit Tankstelle an die Villa angebaut. 2010 wollte die damalige Grundeigentümerin, die Firma Avia Osterwalder, das Haus abreissen und durch einen Neubau inklusive Tankstellenshop ersetzten lassen. Gegen diese Pläne erhob sich aus der Bevölkerung grosser Widerstand. Auf Anregung des Zürcher Heimatschutzes ZVH stellte die Gemeinde Kilchberg das Haus im März 2010 unter Schutz.

Gegen die Unterschutzstellung rekurrierte die Grundeigentümerin mit Erfolg. Die Baurekurskommission (heute Baurekursgericht) hob die Unterschutzstellung wieder auf, da auf Grund zahlreicher innerer Umbauten keine Schutzwürdigkeit gegeben sei.

Gegen diesen Entscheid reichte der ZVH wiederum beim Verwaltungsgericht Beschwerde ein und erhielt Recht. So liess das Verwaltungsgericht Folgendes verlauten: „Auch wenn das Objekt nicht in einer einzelnen Beziehung als wichtiger Zeuge einer Epoche herausragt, besitzt es für sich genommen (wirtschaftsgeschichtlich, baukünstlerisch) wie auch in Bezug auf das Ortsbild eindeutige Zeugenmerkmale, die sich gegenseitig ergänzen […].“ (Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, Urteil vom 1. Juli 2012 , S. 18)

Das Verwaltungsgericht wies das Geschäft zur Neubeurteilung zurück an das Baurekursgericht, welches einlenkte und sich dem Verwaltungsgericht anschloss. Mit dem Entscheid vom 19. Februar 2013 stellte auch das Baurekursgericht die Schutzwürdigkeit der Villa Blumenthal fest. Die Villa Blumenthal sei nicht nur ein wichtiger Zeuge, sondern weise auch einen erheblichen Situationswert auf. Dabei stellte das Gericht jedoch klar, dass die Unterschutzstellung keineswegs Veränderungen am Gebäude ausschliesse. So dürften Schallschutzfenster, moderne Küchen und Nasszellen eingebaut werden, solange die Umbauten den kunst- und kulturhistorischen Charakter der Villa nicht beeinträchtigen.  

Der Zürcher Heimatschutz erreichte durch dieses Gerichtsurteil ein weiteres Mal sein Ziel, das baukulturelle Erbe für die Nachwelt zu erhalten.

Autorin: Stefanie Magel, Geschäftsstelle ZVH

Kontakt

Zürcher Heimatschutz ZVH
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