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Fabrik Wannenthal – ein wirtschaftsgeschichtlicher Zeuge in Horgen

Fabrik Wannenthal

Der Zürcher Heimatschutz ZVH gelangte im Herbst 2014 im Streit um das alte Fabrikgebäude Wannenthal in Horgen erneut an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und verlangt die Aufhebung eines Beschlusses des Gemeinderats von Horgen. Dieser hatte im August 2014 entschieden, das 1920 gebaute, markante Fabrikgebäude Wannenthal aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung zu entlassen. Der Gemeinderat stützte seinen Entscheid auf ein mangelhaftes und einseitiges Gutachten.

Der ZVH hat auch wenig Verständnis dafür, dass der Gemeinderat von Horgen parallel zu diesem offenen Rechtsstreit bereits an der Gemeindeversammlung vom 11. Dezember 2014 über eine Teilrevision respektive eine Aufhebung des geltenden, privaten Gestaltungsplans für das Areal rund um das Alte Fabrikgebäude Wannenthal abstimmen liess. Auch dabei ging es darum, die geltenden Schutzbestimmungen für die Fabrik weitgehend ausser Kraft zu setzen.

Die alte Fabrik Wannenthal darf als wichtiger und letzter Zeuge der Industrialisierung von Horgen nicht zerstört werden. Für die Fassade dieses Zeitzeugen wurde möglicherweise Kalksandstein aus dem Bergwerk Käpfnach/Horgen – folglich ein lokaler Baustoff – verwendet. Ein Grund mehr, diesen bedeutenden Zeitzeugen zu erhalten.

Leider entschied die Gemeindeversammlung vom 11.12.2014, die Revision des Gestaltungsplanes anzunehmen. Definitiv wird aber der Entscheid des Baurekursgerichts über das Schicksal der Fabrik Wannenthal entscheiden.

Im Hinblick auf die Abstimmung vom 11.12.2014 lud der Zürcher Heimatschutz zu einer öffentlichen Führung rund um die Fabrik Wannenthal mit anschliessender Diskussion zum Gestaltungsplan ein.
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Vorgeschichte

Der Gemeinderat von Horgen beschloss im Sommer 2013, die ehemalige Fensterfabrik Wannenthal aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung zu entlassen. Dagegen rekurrierte der Zürcher Heimatschutz ZVH erfolgreich.

Industriebrachen gelten in dicht besiedelten Gegenden oft als eine der wenigen Platzreserven für neuen Wohnraum. Überall im Kanton Zürich werden alte Fabrikgelände zu urbanen Wohnanlagen umgebaut, meistens mit der Konsequenz, dass vom alten Industriecharme kaum mehr etwas übrig bleibt.

So plante man 2006 auch auf dem Industrieareal Wannenthal eine moderne Wohnüberbauung. Mit Hilfe eines Gestaltungsplanes, der im Dezember 2006 an der Gemeindeversammlung genehmigt wurde,  sollte die inventarisierte Fabrik jedoch erhalten bleiben. Doch schon bald darauf hiess es von Seiten des Grundeigentümers, dass die Fabrik aus dem Inventar entlassen werden sollte, da sie in einem sehr schlechten Zustand sei. Zudem sei das Gelände sehr stark mit Altlasten belastet. Auf Grund dieser Gegebenheiten kam für den Grundeigentümer das geplante Projekt einer Mietwohnungsüberbauung nicht mehr in Frage. Er liess ein Gutachten erstellen und beantragte eine Inventarentlassung. Die Entlassung wurde im Juni 2013 vom Gemeinderat genehmigt. Im Gutachten wurde nicht etwa die Schutzwürdigkeit der Fabrik angezweifelt, sondern der desolate bauliche Zustand der Fabrik, der eine Sanierung des Gebäudes angeblich nicht mehr möglich machte. 

Der Zürcher Heimatschutz ZVH rekurrierte gegen den Gemeinderatsbeschluss. Nach eigenen Abklärungen kam der ZVH zum Schluss, dass der bauliche Zustand der Fabrik keineswegs so schlecht ist, dass sich die Fabrik nicht mehr sanieren liesse. Die einstige Fensterfabrik, die 1920 erbaut wurde und die später als Maschinen- und Webmaschinenfabrik diente, ist ein wichtiger bau- und konstruktionsgeschichtlicher Zeuge, da viele der ursprünglichen Bauteile erhalten sind.

Das Baurekursgericht gab dem ZVH Recht. In seinem Entscheid vom 3. Dezember 2013 stellte das BRG Folgendes fest: „Selbst wenn sich also ein potentielles Schutzobjekt in einem (sehr) schlechten Zustand befinden sollte, besteht kein Grund, auf die Prüfung der Zeugeneigenschaft zu verzichten. […] Von einer Prüfung der Schutzwürdigkeit kann nur dann abgesehen werden, wenn die Baute ein eindeutiges Abbruchobjekt darstellt. Dass es sich um ein derartiges Abbruchobjekt handeln würde, geht weder aus dem Gutachten Frei, der Expertise der Keller AG noch dem EMPA-gutachten hervor, auf welche die Vorinstanz ihre Inventarentlassung stützen und worauf auch die Mitbeteiligte verweist.“ (Baurekursgericht des Kantons Zürich, Entscheid vom 3. Dezember 2013, S. 13-14)

Mit diesem Entscheid ist die Fabrik Wannenthal noch nicht endgültig vor einem Abbruch bewahrt. Der Fall ging zurück an die Gemeinde, die nun ein erneutes denkmalpflegerisches Gutachten erstellen soll. Nur wenn dieses neue Gutachten die gleiche Argumentation wie diejenige des ZVH verfolgen wird, hat die Fabrik Wannenthal eine Zukunft.

Der Zürcher Heimatschutz versucht weiterhin, das Bewusstsein für den überindividuellen Wert baulicher Zeitzeugen zu fördern.

Autorin: Stefanie Magel, Geschäftsstelle ZVH

Kontakt

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